In Hamburg sind seit der Einführung des Anwohnerparkens im August 2018 jedes Jahr mehr derartige Bereiche in Hamburg eingeführt worden

2018: 1
2019: 2
2020: 4 (+1 in Planung)

Seit der ersten Erprobung sind es die Handwerker, welche als Berufsgruppe davon am stärksten betroffen ist.
Leider im negativen Sinne!
Die Tageszeitungen sind mit Beginn der Pandemie auf das Thema aufgesprungen und berichten von der zunehmenden Verzweiflung der Handwerksbetriebe. Zuletzt hat uns das Schicksal eines Handwerkermeisters vom Fischmarkt vor Augen geführt, was das Konzept des Bewohnerparkgebiets für Auswirkungen hat.

https://www.mopo.de/hamburg/hamburger-handwerker-verzweifelt-schwer-beladen–aber-wo-sollen-wir-bloss-noch-parken–37920210

Handwerksbetriebe können einen Sonderparkausweis beantragen, sollen dazu aber dezidiert aufzeigen und beweisen, wann, wie oft und wieviel die Fahrzeuge laden, um einen Bedarf darzulegen.
Wohlgemerkt: Für jedes einzelne Fahrzeug!

Für viele Gewerbetreibende ist dieser Aufwand zu hoch bzw. nicht erfüllbar. Als Nebeneffekt geben sie ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, die Dienstfahrzeuge am Abend mit nach Hause zu nehmen. Damit tragen die Bewohnerparkgebiete direkt und indirekt zu einem erhöhten Ausstoß an Schadstoffen und einem erhöhten Parkdruck in anderen Hamburger Gebieten bei. Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn bei Ihnen vor der Haustür plötzlich auch Nachts Firmenwagen von Handwerkern stehen; das ist keine Nachtschicht sondern ihr Nachbar.

Das Problem ist in Hamburg hausgemacht. Die SPD hat vor Jahren die Stellplatzpflicht für Neubauten aufgehoben und in einen Ablasshandel gewandelt, mit dem sich Bauherren von der Pflicht eines Stellplatzbaus freikaufen können.

Die Fachanweisung FA 1/2013 – ABH der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt regelt den Stellplatzschüssel je nach Gebäudeart und Stadtteil eindeutig. Auf diese Fachanweisung weisen die Koalitionäre in den Ausschüssen in Wandsbek – insbesondere in dem Planungsausschuss – gerne hin, wenn wenn es um Fahrradstellplätze geht. Auf die Idee zur Durchsetzung und Umsetzung der in selbiger Fachanweisung geforderten PKW-Stellplätze kommen sie allerdings nicht.

So hat die SPD historisch gesehen, den Mangel an PKW-Stellplätzen in den stark betroffenen Stadtteilen, ja in der ganzen Stadt, selbst verschuldet.

Die Fraktion der Grünen in Hamburg hat das erklärte Ziel, den privaten Autoverkehr in Hamburg zurückzudrängen. Herr Tjarks, seines Zeichens Senator für Verkehr, wird nicht müde, das Fahrrad und sich selbst jeden Monat, ja fast jede Woche, mit einer neuen Kampagne zur Förderung und zur gleichzeitigen Verdrängung des Autos in den Zeitungen zu präsentieren.

Das Anwohnerparken ist ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Und zunächst wirkt es natürlich. Die Anwohner sind zufrieden, einen sicheren Parkplatz zu bekommen, der Schadstoffausstoß durch PKW verringert sich. Augenscheinlich ein gutes Mittel, die Umweltziele des Hamburger Senats und damit der Grünen und zahlreicher Interessensgruppen von FFF bis ADFC zu erreichen.

Allerdings nur auf den ersten Blick. Bislang liegen keine Studien vor, die bewiesen hätten, dass das Mittel des Anwohnerparkens zur Abschaffung eines einzigen Automobils geführt hat.

Wo also sind die ganzen Autos, die aufgrund der angeordneten Maßnahme nicht länger vor Ort parken können? In den angrenzenden Straßen, Stadtteilen oder am Hamburger Rand bzw. Umland. Als Folge nimmt sowohl der Parkplatzsuchverkehr als auch die mit dem PKW zurückgelegten Strecken pro Tag zu. Nicht nur das. Auf Anfrage stellt die BIS tabellarisch dar, dass die Anzahl an PKW in Hamburg und Wandsbek seit 10 Jahren stetig wächst. Inzwischen wurde die Marke von 800.000 in Hamburg zugelassenen PKW überschritten. Ebenso wächst der Anteil der gewerblich genutzten Automobile ständig. Im Jahr 2018 ist der Anteil der gewerblich genutzten PKW in Wandsbek erstmals auf über 10 % und in Hamburg auf nahezu 20 % am Gesamtaufkommen gestiegen.

https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1013432

Eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs, wie es neudeutsch so schön heißt, ist nicht in Sicht. Damit ergibt sich schlussendlich, dass eine Zurückdrängung des Automobils nur durch Zwangsmaßnahmen wie Spurreduzierung, Fahrradstreifen auf den Straßen, Pop-Up Radwege und anderen Ideen aus der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende durchgesetzt werden können. Zusammen mit dem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, fallen dem Radwegekonzept des Senats jährlich Dutzende Bäume zum Opfer, die Autofahrer stehen in längeren Staus, fahren längere Wege und kommen gestresster zu Hause an. Sowohl gesundheitlich als auch ökologisch eine Katastrophe.

Es gilt, wie auch der Präsident der Handwerkskammer bereits forderte, eine sinnvolle Möglichkeit zu schaffen, die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben, Pflege- und Kurierdiensten zusammenzufassen und eine Lieferzone tagsüber auf Parkplätzen vor den Wohnanlagen einzurichten, die wie bisher am Abend und an Wochenenden von den Anwohnern/Mietern genutzt werden können. Einen entsprechenden Antrag hat die AfD Hamburg auf Initiative ihres Arbeitskreises in die Hamburgische Bürgerschaft eingebracht. Das Ergebnis war negativ. Mal abwarten ob die Koalition in Wandsbek anders entscheiden wird.

https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/73150/ladezonen_vor_neubauten_verpflichtend_einrichten.pdf

Die Hoffnung liegt jetzt auf der Forderung des Präsidenten der Hamburger Handwerkskammer, der in eine ähnliche Richtung zielt.

https://www.mopo.de/hamburg/kritik-an-verkehrspolitik-sollen-hamburgs-handwerker-zu-nachtarbeitern-werden–37880326